aktualisiert am 31. Januar 2017

Zitate

Nachfolgend haben wir einige Zitate zu „systemisch“, zu „Sozialarbeit“ und zu „Systemischer Sozialarbeit“ und zu anderen Stichworten zusammengestellt – in der Erwartung, dass Sie durch diese vielleicht zu weiterer Suche und Lektüre angeregt werden. Wir freuen uns, wenn wir weitere Zitate vorgeschlagen bekommen.

Was heißt „systemisch“
Unterschiedliche Betrachtungsweisen
Der systemische Blick
Systemische Praxis
Der ethische Imperativ
Die sechs Handlungsarten der Sozialen Arbeit
Die ganze bunte Palette sozialarbeiterischer Interventionen
Was ist ein System?
Ganzheitlichkeit
Sozialarbeit – Identität ohne Eigenschaften
Objektivität und Konstruktivismus
Kontingenz
Möglichkeitssinn
Schnittstellenmanager
Die Faszination, die von Menschen ausgeht
Sozialarbeiter als Zehnkämpfer
Theorien für die Soziale Arbeit
Macht
Kontrolle
Lebenslage

Was heißt „systemisch“?

Die systemische Psychotherapie, die systemische Beratung und die systemische Supervision bauen auf modernen Konzepten systemtheoretischer Wissenschaft auf, die mittlerweile Eingang in alle Disziplinen der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften gefunden haben. Sie ermöglichen es, komplexe Phänomene, die menschliches Leben und Zusammenleben charakterisieren, komplexitätsgerecht aufzufassen und eine passende Methodik zu ihrer Behandlung zu entwickeln. Nach systemischem Verständnis ist der Mensch immer zugleich als biologisches und als soziales Wesen zu betrachten.
Die systemische Perspektive rückt deshalb die dynamische Wechselwirkung zwischen den biologischen und psychischen Eigenschaften einerseits und den sozialen Bedingungen des Lebens andererseits ins Zentrum der Betrachtung, um das Individuum und seine psychischen Störungen angemessen verstehen zu können. […]
Grundlage für die systemische Praxis ist die Kooperation zwischen Hilfesuchendem und Helfer. Zentrales Arbeitsmittel ist der öffnende Dialog. Dem Klienten gegenüber bemüht sich der Therapeut, Berater oder Supervisor um eine Haltung des Respekts, der Unvoreingenommenheit, des Interesses und der Wertschätzung bisheriger Handlungs- und Lebensstrategien.

Wilhelm Rotthaus (2001), Was heißt systemisch? (ref: 23.8.2004)

Systemisch als Begriff bedeutet demnach […], dass wir uns immer wieder in Erinnerung rufen können, dass wir es sind, die Systeme zusammen stellen – und dass wir sie ebenso gut auch anders zusammen stellen könnten. Dass wir es sind, die sich für bestimmte Sicht- und Betrachtungsweisen entscheiden, dass wir die Perspektiven, mit denen wir uns und unsere Umwelt beschreiben und erklären, selbst wählen und somit wir für sie verantwortlich sind – und dass wir uns nicht auf objektive Wahrheiten verlassen können und uns auch nicht zu verlassen brauchen, dass wir uns und unseren Klient(inn)en Eigensinn und Autonomie zumuten können und dürfen. Dass wir verantwortlich sind dafür, wie wir die Welt und unsere Umwelt, einschließlich der beteiligten Menschen und ihrer Situationen, sehen. Und dass unsere Aufgabe vor allem darin besteht, neue Handlungsmöglichkeiten und Verhaltensoptionen zu eröffnen – für unsere Klientinnen und für uns gleichermaßen.

Johannes Herwig-Lempp (2012), Ressourcenorientierte Teamarbeit. Systemische Praxis der kollegialen Beratung, Göttingen , S. 62f

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Unterschiedliche Betrachtungsweisen

… macht einmal mehr deutlich, dass es bei der systemischen Perspektive nicht um eine Theorie an sich geht, sondern um eine Betrachtungsweise, vergleichbar einer Brille, durch die die Welt wahrgenommen wird. Je nach Beschaffenheit oder Eigenheiten der Brille entsteht ein anderes Bild der Wirklichkeit. Welches dieser möglichen Bilder im einzelnen Fall zum Verständnis der Abläufe und Interventionsmöglichkeiten dienlicher ist, muss von den Leserinnen selbst entschieden werden.

René Simmen, Gabriele Buss, Astrid Hassler & Stephan Immoos (2003), Systemorientierte Sozialpädagogik, Bern, S. 121

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Der systemische Blick

richtet sich u.a. auf
· die Aufträge
· die Ressourcen, Stärken und Fähigkeiten
· den Kontext
· die Lösungen
· die Zukunft
· die Vervielfältigung der vorstellbaren Handlungsmöglichkeiten
· die Autonomie und den Eigensinn
· weitere Perspektiven
· die Kooperationsbereitschaft
· die Wertschätzung der KlientInnen

vgl. Johannes Herwig-Lempp (2012), Ressourcenorientierte Teamarbeit. Systemische Praxis der kollegialen Beratung, Göttingen, S. 52ff

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Systemische Praxis

Systemische Praxis als eine Form psychosozialer Beratung dagegen kann verstanden werden als professioneller Beitrag zur Lösung von Lebensproblemen, die nicht als Krankheit definiert werden.

Ulrich Pfeifer-Schaupp (2002), Im Westen was Neues? Grundprinzipien und Entwicklungen Systemischer Praxis, in: ders., Systemische Praxis. Modelle – Ideen – Perspektiven, Freiburg, S. 13

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Der ethische Imperativ

Der ethische Imperativ: Handle stets so, dass weitere Möglichkeiten entstehen.

Heinz von Foerster (1999), Sicht und Einsicht, Heidelberg, S. 41

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Die sechs Handlungsarten der Sozialen Arbeit

Beraten
Verhandeln
Intervenieren
Vertreten
Beschaffen
Betreuen

Peter Lüssi (2001), Systemische Sozialarbeit, Bern, 5. Aufl., S. 392 ff

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Die ganze bunte Palette sozialarbeiterischer Interventionen

Das (therapeutische) Reden muß ergänzt werden durch das problemlösende Tun. Dieses problemlösende Tun umfasst die ganze bunte Palette sozialarbeiterischer Interventionen: von der Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen oder beim Schreiben eines Briefes bis hin zum Case-Management, bei dem vorhandene Hilfen erschlossen, koordiniert und für die Klientin nutzbar gemacht werden. Therapeutische Methoden blenden die materiell-gesellschaftliche Dimension in der Regel aus oder bekommen sie gar nicht erst ins Blickfeld. […]
Die Sozialarbeit steht an der Schwelle zwischen medizinisch-therapeutischem Behandlungssystem und normalem Leben; sie muß bemüht sein, außergewöhnliche Lebenssituationen von KlientInnen möglichst weitgehend zu „normalisieren“. Zielrichtung bzw. Adressat der Arbeit ist dabei nicht nur der einzelne Klient, sondern auch die soziale Umwelt, die Nachbarn, Arbeitskollegen, Angehörigen, Vermieter sowie verschiedene soziale Einrichtungen. Case-Management bzw. „Unterstützungsmanagement“, d.h. das Erschließen und Koordinieren von Umwelthilfen aller Art für und mit den Betroffenen, etwa durch Nachbarschaftshilfe, Familienpflege, sozialpädagogische Familienhilfe, materielle Leistungen, Gruppenangebote, ist für die Sozialarbeit ebenso konstitutiv wie die Begleitung der KlientInnen über verschiedene Stationen der „therapeutischen Kette“ hinweg, etwa im Suchtbereich, in der Sozialpsychiatrie oder im Rahmen von Bezirkssozialarbeit.

Ulrich Pfeifer-Schaupp (1995), Jenseits der Familientherapie. Systemische Konzepte in der Sozialen Arbeit, Freiburg, S. 145 f

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Was ist ein System?

An dieser Stelle unserer Überlegungen müssen wir uns darüber klar sein, wie „System“ zu definieren ist. Unser erster Impuls ist, auf das Pendel zu zeigen und zu sagen: „Dieses Ding dort ist das System!“ Aber diese Art des Vorgehens hat einen wichtigen Nachteil:
Jedes materielle Objekt enthält nicht weniger als eine Unendlichkeit von Variablen und somit möglichen Systemen.
Das Pendel z. B. hat nicht nur eine Länge und Position; es hat auch Masse, Temperatur, elektrische Leitfähigkeit, kristalline Struktur, chemische Unreinheiten, ein wenig Radioaktivität, Geschwindigkeit, Reflexionsvermögen, Zugfestigkeit, einen Feuchtigkeitsfilm an der Oberfläche, bakterielle Verunreinigung, eine Lichtabsorption, Elastizität, eine Form, spezifisches Gewicht etc. etc. Das Unterfangen, „alle“ Daten zu untersuchen, wäre unrealistisch, und tatsächlich wurde auch ein solcher Versuch nie unternommen. Nötig ist stattdessen, die Daten herauszugreifen und zu erforschen, die für ein bereits festgelegtes Forschungsziel von Bedeutung sein könnten. […]
Normalerweise verwendet man zur Ermittlung die andere Methode der Definition eines Systems, diejenige der Erfassung aller Variablen, die zu berücksichtigen sind. „System“ bedeutet in diesem Zusammenhang nicht ein Ding, sondern eine Liste von Variablen. Diese Liste kann variiert werden, und die allgemeinste Aufgabe des Experimentators ist es, die Liste zu variieren („andere Variablen zu berücksichtigen“), bis er schließlich eine Gruppe von Variablen ausfindig gemacht hat, die die gewünschte Eindeutigkeit ergibt.

W. Ross Ashby (1974, Original 1956), Einführung in die Kybernetik, Frankfurt, S. 68 f

Der Begriff System steht für ein Abstraktum, er kann letztlich jeder Menge von Relationen zugeschrieben werden. Der Beobachter entscheidet, was er als System betrachten und wo er dessen Grenzen sehen will. Wird über Systeme gesprochen, so ist immer diese vom Beobachter vorgenommene Definition vorausgesetzt.

Fritz B. Simon(1988), Unterschiede, die Unterschiede machen, Berlin, S. 17 f

… es könnte nur einfach nützlich sein, wenn wir von einem System und seinen Eigenschaften sprechen, in Erinnerung zu behalten, daß wir selbst es sind, die das System auf unsere Art und Weise definieren.

Fred Steier & Kenwyn Smith (1985), Organizations and Second Order Cybernetic, in: Journal for Strategic and Systemic Therapies.

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Ganzheitlichkeit

Ganzheitlichkeit ist eines der zentralen Postulate der Sozialarbeit […] Wie aber eine solche Ganzheitlichkeit erreichbar wird, ist kaum deutlich.
Äußerst selten wird in der Sozialarbeit mitreflektiert, was der Begriff ‚Ganzheitlichkeit’ konkret bedeutet; wenn diese Reflexion in Ansätzen (in letzter Zeit häufiger) geschieht, dann wird Ganzheitlichkeit präzisiert oder ersetzt durch Begriffe wie Multidimensionalität, Multiperspektivik, Multifunktionalität oder Multireferentialität. Interessant erscheint hierbei die faktische Gleichsetzung von Ganzheitlichkeit mit Begriffen, die durch ihre Vorsilbe „Multi“ eigentlich das Gegenteil von Ganzheit, vielmehr Differenzen bezeichnen … Ganzheitlichkeit wird offensichtlich durch Differenz(ierung) eingelöst. Die Ambivalenz erscheint diesbezüglich darin, dass sich Sozialarbeit nicht entscheiden kann zwischen Ganzheit und Differenz; vielmehr wird offenbar: Ganzheit ist Vielheit und Differenz. … Ganzheit verwirklicht sich demnach in der Entfaltung von Differenzen, z.B. ‚in der Entfaltung einer Vielzahl unterschiedlichster Lebensformen’.

Heiko Kleve (2000), Die Sozialarbeit ohne Eigenschaften, Freiburg, S. 100

Diese Gegenstandsbeschreibung zeigt, dass Soziale Arbeit in ihrem Kern systemisch ist, auch wenn sie nicht so genannt wird. Denn ihr Schwerpunkt ist die ganzheitliche Sicht der Person-Umwelt-Beziehung und ihre für die Alltagsbewältigung mehr oder weniger hilfreiche Organisation. Ihre Interventionen richten sich auf die Ausweitung und Differenzierung von Bewältigungsmöglichkeiten durch die Erschließung von neuen oder bislang blockierten Ressourcen. Ihre begriffliche Erweiterung ist deshalb nur konsequent. Ihre bisher implizite systemische Perspektive kann dann mithilfe der […] systemischen Metatheorie zur expliziten Grundlage einer systemischen Sozialen Arbeit gemacht werden.

Wolf Ritscher (2002), Systemische Modelle für die Soziale Arbeit, Heidelberg, S. 162

Zweitens – und dies ist das bedeutungsvollere Phänomen – ist der Praxis- oder der Feldbezug der Sozialarbeit spezialisiert und generalistisch zugleich. Sozialarbeiter/innen schlüpfen in ihrer je spezifischen Praxis in alle möglichen Rollen und Identitäten, ohne an eine dieser Rollen oder Identitäten sozusagen haften bleiben zu dürfen. Sie müssen, genauer gesagt, in ihren spezifischen Handlungsfeldern sowohl sozio-ökonomische als auch psychologische, sowohl juristische als auch pädagogische oder sowohl sozialadministrative als auch ethische Kompetenzen aufweisen und dementsprechend handeln können.

Pfeifer-Schaupp, H.U. (1995): Jenseits der Familientherapie. Systemische Konzepte in der Sozialen Arbeit. Freiburg, S. 148, S. 31

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Sozialarbeit – Identität ohne Eigenschaften

Angesichts der besonderen professionellen Situation der Sozialarbeit, die sich durch die Identität der Identitätslosigkeit ausdrückt, können wir die Sozialarbeit als eine besondere, als eine postmoderne Profession bewerten. […] Allen diesen Typisierungen ist gemeinsam, dass sie als strukturelle sozialarbeiterische Ambivalenzen, als nicht zu überwindende sozialarbeiterische Widersprüche angesehen werden können. Jeder Sozialarbeiter, jede Sozialarbeiterin muss in den alltäglichen professionellen, kommunikativen Vollzügen diese Ambivalenzen aushalten und akzeptieren, ja gerade dies macht die Professionalität der Sozialarbeit aus. […] Um solch eine ambivalente Haltung einnehmen zu können, hilfrt ein postmoderne Gemüts- und Geisteshaltung, die in einer erfolgreichen Sozialarbeit wohl immer schon eingenommen und nur nicht als solche benannt wurde.

Heiko Kleve (2001), Sozialarbeit als postmoderne Profession. Identitätslosigkeit als Chance, in: Soziale Arbeit H 1, 21-26, S. 26

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Objektivität und Konstruktivismus

Objektivität ist die Selbsttäuschung eines Subjekts, dass es Beobachten ohne ein Subjekt geben könnte. Die Berufung auf Objektivität ist die Verweigerung der Verantwortung – daher auch ihre Beliebtheit.

Ernst von Glasersfeld, Erklärung der American Society for Cybernetics, in: ders., Radikaler Konstruktivismus, Frankfurt 1998, S. 238-244, S. 242

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Kontingenz

Komplexität in dem angegebenen Sinne heißt Selektionszwang, Selektionszwang heißt Kontingenz, und Kontingenz heißt Risiko. Jeder komplexe Sachverhalt beruht auf einer Selektion der Relationen zwischen seinen Elementen, die benutzt, um sich zu konstituieren und zu erhalten. Die Selektion placiert und qualifiziert die Elemente, obwohl für diese andere Relationierungen möglich waren. Dieses „auch anders möglich sein“ bezeichnen wir mit dem traditionsreichen Terminus Kontingenz. Er gibt zugleich den Hinweis auf die Möglichkeit des Verfehlens der günstigsten Formung.

Niklas Luhman (1984), Soziale Systeme, Frankfurt S. 47

Kontingent ist etwas, was weder notwendig ist noch unmöglich ist; was also so, wie es ist (war, sein wird), sein kann, aber auch anders möglich ist. Der Begriff bezeichnet mithin Gegebenes (Erfahrendes, Erwartetes, Gedachtes, Phantasiertes) im Hinblick auf mögliches Anderssein; er bezeichnet Gegenstände im Horizont möglicher Abwandlungen. Er setzt die gegebene Welt voraus, bezeichnet also nicht das Mögliche überhaupt, sondern das, was von der Realität aus gesehen anders möglich ist.

Niklas Luhman (1984), Soziale Systeme, Frankfurt S. 152

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Möglichkeitssinn

Wenn es aber Wirklichkeitssinn gibt […], dann muß es auch etwas geben, das man Möglichkeitssinn nennen kann.
Wer ihn besitzt, sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehn, wird geschehn, muß geschehn; sondern er erfindet: Hier könnte, sollte oder müßte geschehn; und wenn man ihm von irgend etwas erklärt, daß es so sei, wie es sei, dann denkt er: nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein. So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebensogut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist. […]
Es ist die Wirklichkeit, welche die Möglichkeiten weckt, und nichts wäre so verkehrt, wie das zu leugnen. Trotzdem werden es in der Summe oder im Durchschnitt immer die gleichen Möglichkeiten bleiben, die sich wiederholen, so lange bis ein Mensch kommt, dem eine wirkliche Sache nicht mehr bedeutet als eine gedachte. Er ist es, der den neuen Möglichkeiten erst ihren Sinn und ihre Bestimmung gibt, und er erweckt sie.

Robert Musil, Mann ohne Eigenschaften

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Schnittstellenmanager

Bedenkt man allein die unterschiedlichen Disziplinen, mit denen Sozialarbeiterinnen während ihrer Ausbildung konfrontiert werden – Sozialarbeitswissenschaft, Soziologie, Pädagogik, Psychologie, Recht, Philosophie, Sozialmedizin, Sozialpsychiatrie, Kunst und Medienpädagogik etc. – so wird klar, dass es sich bei Sozialarbeiterinnen um „Schnittstellenmanagerinnen“ handelt: sie sitzen an der Schnittstelle verschiedenster Professionen und Disziplinen und vermitteln und koordinieren häufig zwischen verschiedenen von ihnen.

Johannes Herwig-Lempp (2002), Maschinen, Menschen, Möglichkeiten – Eine kleine Ideengeschichte des systemischen Arbeitens, in: Kontext 33/3, S. 190-212, S. 207 f

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Die Faszination, die von Menschen ausgeht

Soziale Arbeit ist nicht nur irgendeine Profession. Sie lebt von der Faszination, die von Menschen ausgeht. Sie lebt von der Freude am Komplizierten und Komplexen, am nicht völlig durch Analyse Erfaßbaren und durch Konzepte Bewältigbaren. Soziale Arbeit ist Kommunikationskunst und Organisationskunst, allerdings nie l’art pour l’art. Dazu ist ihr Gegenstand, die Bewältigung menschlicher sozialer Probleme, zu ernst und ihr Handeln zu folgenreich.

Peter Pantucek (1998), Lebensweltorientierte Individualhilfe. Eine Einführung für soziale Berufe, Freiburg, S. 11

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Sozialarbeiter als Zehnkämpfer

So lassen sich Sozialarbeiterinnen […] als die Zehnkämpfer des psychosozialen Feldes bezeichnen: der Zehnkampf ist die Königsdisziplin der Leichtathletik, Zehnkämpfer müssen alle Disziplinen beherrschen. Natürlich erbringen sie in den einzelnen Disziplinen nicht immer die jeweils absolute Höchstleistung, aber sie sind doch in allen Bereichen kundig und erfahren, sie beherrschen sie und sind in jeder von ihnen souverän – im Gegensatz zu den anderen Spezialisten, die sich in der Regel nur auf ihr eigenes Gebiet verstehen.

Johannes Herwig-Lempp (2002), Maschinen, Menschen, Möglichkeiten – Eine kleine Ideengeschichte des systemischen Arbeitens, in: Kontext 33/3, S. 190-212, S. 208

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Theorien für die Soziale Arbeit

Theorien als Werkzeuge – wer welches Werkzeug verwendet für nützlich hält, ist nicht so sehr eine Frage des Werkzeugs, sondern vor allem eine der Personen und ihrer Absichten: je nachdem, was ich vorhabe und wie gut ich die einzelnen Werkzeuge kenne, mit ihrem Gebrauch vertraut bin, desto besser kann ich entscheiden, welches ich verwende.
An dieser Metapher des Werkzeugs orientiert, können wir für eine erste Antwort auf die Frage, welche Theorie Soziale Arbeit braucht, schlussfolgern: sie braucht nicht eine, sondern mehrere Theorien, so wie man für seinen Werkzeugkasten nicht nur einen Hammer benötigt, sondern auch eine Säge, einen Schraubendreher, ein Messer – und am besten von den verschiedenen Werkzeugen unterschiedliche Ausführungen.
Und noch etwas können wir schließen, die Theorien sollten einfach sein, sollten vielfältig und leicht zu handhaben sein, man sollte in ihrem Gebrauch einigermaßen geübt sein. Mutlifunktionswerkzeuge sind eher unpraktisch, die Profis […] verwenden sie nicht.

Johannes Herwig-Lempp (2003), Welche Theorie braucht Soziale Arbeit? in: Sozialmagazin 28/2, S. 12-21, S. 14

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Macht

„Instruktive Macht“ vs. „destruktive Macht“: … Während destruktive Macht die Möglichkeiten eines Menschen einschränkt (oder eben bestimmte Möglichkeiten destruiert, also „zerstört“), zielt instruktive Macht auf die Instruktion oder „Steuerung“ eines Menschen. Der qualitative Unterschied dieser Machtformen verdeutlicht sich an den Möglichkeiten der Verweigerung. Denn während sich die „Ohnmächtigen“ destruktiver Macht nicht verweigern können, ist ihnen dies gegenüber instruktiver Macht sehr wohl möglich. (FN: Wobei – um dies an dieser Stelle erneut zu betonen – diese Unterscheidung keinerlei moralische Wertung impliziert. Weder destruktive Macht noch instruktive Macht gilt als grundsätzlich gut oder schlecht, angemessen oder unangemessen.) …
Instruktive Macht bezeichnet die Chance, das Verhalten oder Denken eines Menschen zu determinieren. (Instruktive Macht als Gelegenheit zu instruktiven Interaktionen ist vom Eigensinn der zu Instruierenden abhängig, die sich letztlich instruktiver Macht auch verweigern können.)
Destruktive Macht bezeichnet die Chance, die Möglichkeiten eines Menschen zu reduzieren. (Destruktive Macht als Gelegenheit zu destruktiven Interaktionen ist unabhängig vom Eigensinn der zu Instruierenden, die sich destruktiver Macht nicht verweigern können.)

Björn Kraus (2007): Soziale Arbeit – Macht – Hilfe und Kontrolle. Grundlegung und Anwendung eines systemisch-konstruktivistischen Machtmodells. In: Kraus, B., Krieger, W. (Hrsg.): Macht in der sozialen Arbeit, Lage (Jacobs), S. 79-102: S. 89f. (pdf)

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Kontrolle

Wichtig ist, dass für die Unterscheidung zwischen instruktiver Kontrolle und destruktiver Kontrolle nicht entscheidend ist, ob Handlungen erwünscht oder unerwünscht sind, sondern vielmehr ob Handlungen tatsächlich auch gegen Widerstreben des Klienten erzwungen bzw. unterbunden werden können oder nicht. So kann instruktive Kontrolle sowohl auf das Ausführen als auch auf das Verhindern bestimmter Handlungen zielen, während destruktive Kontrolle ausschließlich die Verhinderung bestimmter Handlungen erwirken kann. Denn während sich die Adressaten instruktiver Kontrolle ebenso wie der hierzu notwendigen instruktiven Macht durchaus verweigern können, ist dies gegenüber destruktiver Kontrolle ebenso wie gegenüber destruktiver Macht nicht möglich. Schließlich bedarf – auf Grund der Selbstreferentialität menschlicher Kognition – instruktive Kontrolle der Zustimmung des zu Kontrollierenden. Dies gilt nicht für die Ausübung destruktiver Kontrolle. Diese kann auf Grund der strukturellen Koppelung menschlicher Organismen an ihre Umwelt auch gegen Widerstand durchgesetzt werden. …
Instruktive Kontrolle bezeichnet das Bemühen, das Verhalten oder Denken eines Anderen zu determinieren. (…)
Destruktive Kontrolle bezeichnet das Bemühen, die Möglichkeiten eines Anderen zu reduzieren. (….)“

Kraus, Björn (2007): Soziale Arbeit – Macht – Hilfe und Kontrolle. Grundlegung und Anwendung eines systemisch-konstruktivistischen Machtmodells. In: ders., Krieger, W. 2007 (Hrsg.): Macht in der Sozialen Arbeit, S. 79-102: S. 93f. (pdf)

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Lebenswelt und Lebenslage

Die Lebenswelt eines Menschen korreliert also mit dessen Lebenslage in derselben Weise, wie die Wirklichkeit mit der Realität – das eine ist das unhintergehbar subjektive Konstrukt, das unter den Bedingungen des anderen gebildet wird. …
Als Lebenslage gelten die materiellen und immateriellen Lebensbedingungen eines Menschen.
Als Lebenswelt gilt das unhintergehbar subjektive Wirklichkeitskonstrukt eines Menschen (welches dieser unter den Bedingungen seiner Lebenslage bildet).

Kraus, Björn (2006): Lebenswelt und Lebensweltorientierung – eine begriffliche Revision als Angebot an eine systemisch-konstruktivistische Sozialarbeitswissenschaft. Kontext. Zeitschrift für Systemische Therapie und Familientherapie. Heft 37/02, S. 116-129